Verpasst - Gedanken zur Fastenzeit 2026

Foto: Sr. Silvia-Johanna

Im Wartezimmer beim Arzt oder bei Behörden, Warten an der Bushaltestelle, … Es gibt Momente, da gibt es nichts zu tun. Da unsere Gesellschaft darauf getrimmt ist, die Lebenszeit möglichst effektiv zu nutzen und keinen Leerlauf aufkommen zu lassen, tun wir uns oft schwer damit. Schnell ist das Smartphone gezückt, um durch die neuesten Nachrichten zu scrollen oder zumindest Musik oder einen Podcast zu hören. Kennen Sie das?

Noch nie war es so leicht, sich Ablenkung zu verschaffen. Manche Menschen können sich kaum noch entspannen, weil sie aus Sorge, dass ihnen wichtige Informationen, Ereignisse oder Erfahrungen entgehen könnten, zunehmend unter Druck geraten. Zudem vermitteln die sozialen Medien oft das Bild, dass alle etwas Tolles erleben, nur eben ich nicht. Die ständige Angst, etwas zu verpassen, hat sogar einen Namen: Fear Of Missing Out (FOMO).

Das Paradoxe daran ist, aus meiner Sicht, dass man dabei das Wichtigste wirklich verpasst – den gegenwärtigen, unwiederbringlichen Augenblick. Der 1965 verstorbene jüdische Religionsphilosoph Martin Buber war sich sogar sicher: Der Augenblick ist das Gewand Gottes.
Im Hier und Jetzt liegt also die Chance, Gott zu begegnen! 

Vielleicht bieten die sieben Wochen der Fastenzeit die Möglichkeit, mal ganz bewusst auf soziale Medien, Aktivitäten oder Events zu verzichten, um Ruhe und Zeit für sich selbst, die Mitmenschen und für Gott zu gewinnen? Um wieder zu spüren, wie es mir wirklich geht, was mir wichtig ist, mein eigenes Tempo wieder zu finden und das echte, reale Leben zu erleben, so wie es sich gerade zeigt. Wer weiß? Es kann sein, dass ich merke, wie gut mir das tut, und ich dann etwas spüre wie „Joy Of Missing Out“ (Freude, mal etwas zu verpassen)…

Im 2. Korintherbrief (6, 2) des Neuen Testaments heißt es mit Bezug auf eine Stelle im Buch Jesaja: Jetzt ist die Zeit der Gnade; jetzt ist der da, der Tag der Rettung. Braucht es angesichts dieser Zusage  noch weitere Argumente, es einfach mal auszuprobieren?
Eine gesegnete Fastenzeit – vielleicht mit überraschenden Erkenntnissen!

Sr. Silvia-Johanna