Mach‘ s wie Gott – werde Mensch! Diese durchaus humorvolle Aufforderung, die dem 2024 verstorbenen langjährigen Bischof von Limburg, Franz Kamphaus, zugeschrieben wird, ist ein wunderbarer Vorsatz für das Weihnachtsfest. Feiern wir doch, dass Gott in Jesus Christus ganz Mensch geworden ist.
Der Satz wirft in mir die Frage auf, was denn eine zutiefst menschliche Eigenschaft ist. Ich glaube, es ist die Hoffnung, die uns Menschen auszeichnet. Kein anderes Lebewesen kann Hoffnung empfinden. Diese ist auch nötig am Ende eines Jahres, das leider immer noch durch Krisen, unmenschliche Kriege und steigende Aggressionsbereitschaft im eigenen Land geprägt war.
Mach‘ s wie Gott – werde Mensch! Diese Worte wecken meine Hoffnung, dass meine und unser aller Menschwerdung nicht mit der Geburt abgeschlossen, sondern ein lebenslanger Prozess ist. Wir dürfen unser Leben lang immer mehr wir selbst werden, so wie Gott sich uns ursprünglich gedacht hat. Völlig altersunabhängig hat unser Leben Potenzial, weil immer Wachstum und Selbstwerdung möglich sind.
Spontan fallen mir dazu Begriffe wie Wahrheit, Erlösung, Heilung und Freiheit ein. Wahrheit kann bedeuten, uns so anzunehmen, wie wir sind, geformt von unseren bisherigen Erfahrungen, unserer Erziehung und unserer Geschichte. Es heißt auch, uns als von Gott geschaffen zu akzeptieren – mit unseren Stärken, Begabungen, Grenzen, Bedürfnissen, Schwächen. Das alles gehört zu uns. So sind wir – von Gott gewollt und geliebt. Genau so dürfen wir uns einsetzen für Gottes Reich. Und zur Erinnerung, wenn es mal wieder allzu menschlich hakt in unseren Beziehungen: Das gilt auch für den nervigen Nachbarn, die Tratschtante am Arbeitsplatz, … sie alle sind von Gott gewollt, geschaffen und geliebt.
Bereits im Johannesevangelium (8,32) heißt es: „… die Wahrheit wird euch frei machen.“ Uns wird der Druck genommen, uns ständig mit anderen zu vergleichen, uns beweisen und selbst optimieren zu müssen. Das ist entlastend. Wir müssen weder uns selbst noch die Welt retten. Das hat Jesus Christus längst getan.
Wir brauchen nicht unbedingt Außergewöhnliches leisten, aber dürfen und sollen das Gewöhnliche auf unsere je eigene unverwechselbare Art und Weise tun.
Wenn uns Menschen das wirklich endlich vom Kopf ins Herz fallen würde, hätte niemand mehr Neid, Konkurrenzkampf, Machtspielchen und Säbelrasseln nötig. Frieden, Freiheit und Heil hätten eine echte Chance.
Menschwerdung – in Jesus Christus hat Gott uns gezeigt, dass und wie es geht. Er traut es uns zu. Immer noch. Wenn wir an Weihnachten feiern, dass Gott Mensch geworden ist, setzen wir ein Zeichen des Glaubens und unserer Hoffnung, dass das Dunkel in uns und um uns nicht das letzte Wort haben werden.
Frohe und friedliche Weihnachten!
Sr. Silvia-Johanna

