Vorweihnachtszeit vs. Adventszeit

Foto: Sr. Silvia-Johanna

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Außerhalb des ausdrücklich kirchlichen Umfelds wird kaum noch von der Adventszeit gesprochen. Stattdessen ist im Radio, im Fernsehen oder im allgemeinen Sprachgebrauch vielfach von der Vorweihnachtszeit die Rede. Die Vorweihnachtszeit verdrängt sozusagen den Advent. Wie schade!  
Wenn wir in überfüllten Geschäften und dichtgedrängt auf sogenannten „Weihnachtsmärkten“, die ja genau genommen Adventsmärkte sind, schon Wochen vor dem Fest mit Weihnachtsliedern beschallt werden und die Weihnachtsbeleuchtung in den Innenstädten den Glanz von Weihnachten schon vorwegnimmt, muss ich spontan an den Werbespot eines Mobilfunkanbieters aus dem Jahr 2000 denken, in dem Franz Beckenbauer fragte: „Ja, ist denn heut scho Weihnachten?“
Und während die Werbung uns immer wieder ein verklärtes Idealbild romantisch-idyllischer Weihnachten, für das man natürlich unbedingt genau diesen edlen Duft oder jenes tolle Smartphone verschenken sollte, als erstrebenswertes Ziel vor Augen führt, kommt bei vielen Menschen – auch angesichts der realen Weltlage – gar keine Vorfreude auf Weihnachten auf.
Ich möchte mich nicht von der Vorweihnachtszeit um die Adventszeit betrügen lassen. Ich liebe den Advent als Zeit mit einem ganz eigenen Charakter, die uns auf den hinweist, der wirklich Grund unserer Weihnachtsfreude ist, und uns auf sein Kommen vorbereitet.  Ich bin eingeladen, es etwas langsamer gehen zu lassen und zur Ruhe zu kommen. 
Die Texte und tragenden Melodien der adventlichen Lieder wollen mich einstimmen auf das Geheimnis der Menschwerdung unseres Gottes, das wir an Weihnachten feiern werden. Die biblischen Lesungen rufen auf, nüchtern und wachsam zu sein. Für mich heißt das, die Welt um mich herum realistisch wahrzunehmen, aufmerksam für meine Mitmenschen und für Gottes Spuren durch den Tag zu gehen und mir mit meiner Sehnsucht auf die Spur zu kommen. Der Advent ist für mich eine Gelegenheit, mich wieder neu und ganz bewusst auf Gott auszurichten. Ich versuche, Gott bei mir, in meinem Leben ankommen zu lassen. Das ist meist nicht besonders romantisch, aber Gott will ja in unserem Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, mit seinen Licht- und Schattenseiten geboren werden. Schon vor über 2000 Jahren hat er einen Stall und keine Nobelherberge für seine Geburt gewählt.      
Mich auf diese Weise auf Weihnachten vorzubereiten, schließt den einen oder anderen Glühwein in netter Gesellschaft keineswegs aus!  
Wir wünschen Ihnen und uns eine gesegnete Adventszeit!

Sr. Silvia-Johanna