Jubiläumsfeier "20 Jahre kontemplatives Gebet in Haus Emmaus"

Die Jubiläumsfeier „20 Jahre kontemplatives Gebet im Haus Emmaus” begann mit einer Eucharistiefeier in der Kapelle des Mauritz-Gymnasiums. Das Gebäude war früher unser Vorsehungskloster und von 1954 bis 1980 befand sich dort auch das Generalat unserer Ordensgemeinschaft. Daher war es ein ganz besonderer Moment, an diesem geschichtsträchtigen Ort die Eucharistie zu feiern. An der Messe nahmen ca. 75 Personen teil, darunter die Mitglieder des Freundeskreises von Haus Emmaus, die Provinzleitung der deutschen Provinz, Schwestern der Generalatskommunität sowie zwei Schwestern der niederländischen Kommunität.

Schwester Imelda Schmiemann begann die Einführung in den Gottesdienst mit den bekannten Worten aus dem Gedicht von Nelly Sachs „Alles beginnt mit der Sehnsucht“ und stellte ein wenig die Entstehungsgeschichte des kontemplativen Gebets im Haus Emmaus vor. Sie erzählte, dass für sie alles mit der Sehnsucht und der guten Unruhe im Herzen begann:  „ Mit der Sehnsucht, das kontemplative Gebet, das ich für mich als Ausdruck meiner Beziehung zu Gott leidenschaftlich liebe, an suchende Menschen weiterzugeben“.

Franz Jalics SJ (1927 – 2021), der Gründer von Haus Gries, der mit ganzer Hingabe so vielen Menschen den kontemplativen Weg erschlossen hat, ermutigte Sr. Imelda, einfach anzufangen. Und so begann Sr. Imelda im März 2005 mit dem ersten Einführungskurs in das kontemplative Gebet. Im Laufe der Jahre entwickelte sich dann im Haus Emmaus ein immer breiteres kontemplatives Programm und die Hausgemeinschaft mit Schwester Ansveris Runkel und Regina Lemkamp. In ihren einführenden Worten dankte Sr. Imelda besonders Sr. Ansveris, der Seele des Hauses, sowie Regina Lemkamp, die mit ihren vielen Talenten zur guten und schönen Atmosphäre beiträgt.

 

In der von Pfarrer Hartmut Ernst geleiteten Eucharistiefeier stand das Gleichnis vom Wachsen der Saat (Mk 4,26–29) im Mittelpunkt. In seiner Predigt griff Pfarrer Ernst dieses Bild auf und sprach vom inneren Wachsen. Er machte deutlich, dass es dabei nicht um Zahlen, Macht und Durchsetzung geht. Als Beispiel dazu zitierte er das wunderschöne Gedicht von Rainer Maria Rilke.

„Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.“

Pfarrer Ernst betonte, dass es beim inneren Wachsen um das Leerwerden und Loslassen gehe, um sich mit Gottes Gegenwart erfüllen zu lassen. Jeder Augenblick biete die Möglichkeit, innerlich zu wachsen. Jede noch so gewöhnliche Verrichtung ist eine einmalige Gelegenheit, sich der Wirklichkeit hinzugeben. 

 

Am Ende der schönen Eucharistiefeier mit der berührenden Predigt von Pfarrer Ernst sprach Provinzleiterin Sr. Maria-Elisabeth Küpper Glückwünsche zum 20-jährigen Jubiläum von Haus Emmaus aus. Sie dankte dafür, dass Haus Emmaus ein Ort der Begegnung geworden ist, an dem sich viele Menschen spirituell beheimatet und aufgehoben fühlen.  

 

Im Anschluss an die Eucharistiefeier gab es bei Getränken und Pizza viele Möglichkeiten zur Begegnung und zum Gespräch. Ein Vortrag von Dr. Michael Plattig zum Thema „Der Christ von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein“ (Karl Rahner) sowie ein kleines Orgelkonzert unter der Leitung von Elisabeth Lefken rundeten den schönen Jubiläumstag ab.

 

Sr. Christa Brünen